Das Foto zeigt Kameramann Pedro und mich in Moncloa, einem belebten Verkehrsknoten im Madrider Universitätsviertel. Es ist Freitag, der 30. Oktober, kurz nach 19.30 Uhr. Zwei Tage vorher waren in der Provinz Toledo zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen. Maren Häußermann und ich hatten seither abwechselnd für Radio und TV informiert, über Opfer, Vermisste und die möglichen Hintergründe des Unglücks. Ich sollte live in der ZIB 1 berichten.
Es war mein letzter Auftritt in der ZIB. Über den bevorstehenden Wahlgang und dessen Bedeutung als Richtungsentscheidung für Spaniens Zukunft werde ich im ORF nicht mehr berichten.
Das war’s also: eine Frage zum aktuellen Stand der Ermittlungen zu den Ursachen des Zugunglücks nahe Toledo und dann noch eine zweite dazu, wie sich die Katastrophe auf die Parlamentswahl Ende November auswirken wird. Für das Gespräch waren zwei Minuten vorgesehen. Zehn Sekunden vor Ablauf hörte ich im Kopfhörer den unausweichlichen Hinweis: Es ist Zeit, fertig zu werden.
Als ich Stunden später die Ruhe fand, das letzte ZIB-Gespräch zu analysieren, stellte ich mir die üblichen Fragen: Hatte ich meine Gedanken geordnet und verständlich formuliert? War es mir gelungen, die Flut an Informationen, meine Eindrücke und die Zeugenaussagen für das Fernsehpublikum zu einem klaren Bild der Lage in Spanien zu verdichten?
Dann kam mir der Gedanke, die neue Freiheit ohne Abgabetermin, Zeitlimits und sonstige Einschränkungen zu nutzen, um meine Informationen, Erfahrungen und Eindrücke mit Ihnen zu teilen.